Immofrauen stellen sich vor – Teil 1 Fachgruppe Mediation

Interview mit den Leiterinnen der Fachgruppe Mediation Sylvia Kupers und Susanne Seidel

 

Seit wann gibt es die Fachgruppe Mediation?

Es gab seit Jahren innerhalb des Vereins die sogenannten „Netzwerke im Netzwerk“, u.a. auch eines für Mediation. Rosenmontag 2016 haben wir, Susanne Seidel und Sylvia Kupers, zusammengesessen und erste Texte entworfen für die Webseite, für Flyer etc.

2016 und 2017 hat sich dann in einem Prozess das heutige Kernteam herausgebildet, elf Frauen, die intensiv, kontinuierlich zusammenarbeiten.

 

Welches Angebot hat die Fachgruppe für ihre Mitglieder und Interessenten? 

Wir beide gestalten schon seit 2017 im Rahmen der Vereinstätigkeit Vorträge zum Thema Mediation und zum besseren Umgang mit Konflikten. In dieser Zeit haben wir mehrere Regionalgruppen besucht. Unsere Vereinsarbeit sieht nicht anders aus als z.B. bei den Rechtsanwältinnen und Steuerberaterinnen im Verein: Wissenstransfer für die Mitglieder, Unterstützung im Netzwerk geschieht ehrenamtlich, für Unternehmen arbeiten wir gegen Bezahlung.

 

Wie viele Personen unterstützen die Fachgruppe?

Seit ca. zwei Jahren werden wir als Leiterinnen der Fachgruppe von einem großartigen Kernteam unterstützt, in dem 11 Frauen aktiv mitarbeiten und die Fachgruppe mit Leben und Ideen füllen. Wir arbeiten von Beginn an mit Mediatorinnen aber auch mit Frauen zusammen, die keine Ausbildung in Mediation haben. Die Fachgruppe Mediation hat inzwischen über 60 Interessentinnen, die wir heute in der Social Media Welt vielleicht auch „Follower“ nennen würden.

 

Die Fachgruppe Mediation:

 

Von oben rechts nach unten links in Zeilenlesart:

Gabi Gabler-Winter, Sylvia Kupers, Stephanie Schneider, Doris Rosenecker, Simone Emming, Astrid Landorf, Bettina Maecker, Ilknur Kon-Gunawan, Charlotte Baumann-Lotz, Susanne Seidel, Petra Kemper

 

Was steckt hinter dem Wort “Mediation”?

Die meisten Menschen, mit denen wir bei unseren Veranstaltungen sprechen, kennen Mediation als eine Methode zur Lösung von Konflikten, von der sie eine mehr oder weniger konkrete Vorstellung haben. In vielen Konflikten ist es mit Unterstützung von Mediatoren möglich, dass die Beteiligten in einem Konflikt zu eigenen Lösungen finden und so langwierige, teure und nervige Gerichtsverfahren vermeiden.

So wie wir Mediation verstehen, ist Mediation aber viel mehr: Der Einsatz einer neutralen Person, einer Mediatorin, wirkt auch in konfliktgeneigten Prozessen. Hier wird das Verfahren präventiv eingesetzt. Das Einschalten der neutralen Person beruhigt die Situation. Es kann diskutiert werden, ohne dass die Einzelnen sich in ihren Positionen verbeißen. Es wird Klarheit geschaffen und gemeinsam über Wege und Lösungen nachgedacht. „Change“ Prozesse sind typische Einsatzmöglichkeiten, genauso wie z. B. das Planen und Bauen. An diesen Verfahren sind viele Menschen mit sehr unterschiedlichen Interessen und Positionen beteiligt, die leider mitunter das gemeinsame Ziel aus den Augen verlieren.

Das sind nur zwei Beispiele. Demnächst werden wir ein Buch zur Mediation und Kooperation in der Bau- und Immobilienwirtschaft veröffentlichen, in dem Vertreter der Branche anhand konkreter Beispiele die Vorteile schildern, die sich aus dem Einsatz kooperativer Methoden und der Mediation ergeben.

 

Woher nehmen Sie die Themen der Workshops in Ihrer Fachgruppe?

In der Mediation geht es im Kern darum, wie wir als Menschen oder als Gesellschaft anders bzw. besser miteinander kommunizieren, zusammenarbeiten und zusammenleben. Wie wir alle wissen, funktioniert das im Alltag nicht so einfach und nicht ganz reibungslos. Deshalb gibt es immer wieder neue Themen, Probleme und Konflikte, die wir aufgreifen, diskutieren und zu deren Lösung wir beispielhaft Wege erarbeiten können.

 

Sind in der Fachgruppe nur Frauen oder auch Männer willkommen?

In der Fachgruppe arbeiten Frauen mit, die Mitglied in unserem Verein sind. Aber natürlich sind bei unseren Veranstaltungen Männer jederzeit herzlich willkommen. Unser Thema und unsere Fachgruppe leben vom aktiven Austausch aus unterschiedlichen Perspektiven.

 

Was ist der Unterschied der Fachgruppe zu den Regionalgruppen der Immofrauen?

Anders als die Regionalgruppen agieren wir als Fachgruppe bundesweit. Uns verbindet ein fachliches Thema und ein gemeinsames Anliegen für die Immobilienwirtschaft: Wir wollen mit unserer Arbeit aktiv dazu beitragen, dass die Mediation als eine Methode zu besserer Kommunikation, konstruktiver Zusammenarbeit und zur Konfliktprävention, zur Deeskalation und zu Konfliktlösung bekannter und viel öfter eingesetzt wird. 

Wir denken, das bietet eine große Chance, uns Frauen kompetent und engagiert zu präsentieren, was ein grundlegendes Ziel unseres Vereins ist.

 

Welche Veranstaltungen sind zukünftig geplant?

Das ist in der aktuellen Situation eine spannende Frage. Neben weiteren Arbeitstreffen des Kernteams hatten wir für den September dieses Jahres erstmalig einen offenen Tagesworkshop in Düsseldorf geplant. Wir müssen abwarten, wie sich die Gesamtsituation in Deutschland entwickelt, und können erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob wir diesen Workshop im Herbst noch durchführen oder ins kommende Jahr verschieben (Stand April 2020).

 

Was bedeutet für Sie das 20-jährige Jubiläum der Immofrauen? 

Wenn ein Verein 20 Jahre besteht mit bereits über 1000 Mitglieder, spricht das doch sehr klar dafür, dass es zum einen den Bedarf für ein Frauennetzwerk in der Immobilienbranche gibt und zum anderen, dass der Verein lebendig ist und eine hohe Anziehungskraft hat. Wir sind Mitglied im Regionalteam Rheinland und sind immer wieder beeindruckt über die Vielzahl spannender Veranstaltungen, die unsere Regionalleiterin, Bettina Timmler, zusammen mit ihrem Team auf die Beine stellt.

 

Sylvia Kupers: „Ich bin seit 2013 Mitglied der Immofrauen. Ursprünglich komme ich aus Dresden. Mir hat das Netzwerk des Vereins sehr geholfen hier im Rheinland anzukommen und Kontakte zu knüpfen. Aus dem Kreis der Immofrauen haben sich auch enge Freundschaften entwickelt, auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Ohne die Immofrauen hätte das sicher viel länger gedauert.“

 

Susanne Seidel: „Als ich mich 2008 selbständig gemacht habe, waren die Immofrauen sehr bald eines der wichtigen Netzwerke für mich. Ich habe dort viel gelernt, tolle Frauen kennengelernt – und auch einiges mit auf die Beine gestellt. Ich behaupte: das war an vielen Stellen leichter in einem Frauennetzwerk als in einem von Männern dominierten Verein. Deshalb kann ich sagen, es war damals eine geniale Idee von Ingeborg Warschke, diesen Verein zu gründen. Noch immer dominieren die Männer unsere Branche. Wir wollen das ändern.“